Donnerstag, 26. Juli 2007

Uncooler Feminismus?

Nachdem ich in den letzten Tagen ein wenig in Luise Puschs Blog samt den Kommentaren gelesen habe, überlege ich, ob diese Vorwürfe gegen die jüngere, angeblich nicht mehr feministische Generation gerechtfertigt sind. Dazu eine kurze Geschichte: Irgendwann entdeckte eine Freundin meiner Mutter, dass ich auf meiner Homepage fembio verlinkt habe - die Dame ist Mitte 60 und Ingenieurin.Sie fragte mich,
ob ich auch eine verkappte Feministin sei, woraufhin ich spontan sagte, nein, eine bekennende. Sie meinte, sie habe das Zeit ihres Lebens verborgen. Sie hat überwiegend mit Männern gearbeitet. Hm. Auch damals
gab's wohl nicht so viele Frauen, die explizit Feministinnen waren, oder sich als solche gesehen haben. Sicher keine meiner (heterosexuellen, verheirateten) Mittelschichtsverwandten und auch nicht
die Freundinnen meiner Eltern. Einer der Moderatoren von mac-TV kommentierte Luise Puschs Angriff auf seine Lehrfilmbeispiele damit, dass er dachte, es gäbe gar keinen Feminismus mehr (oder so ähnlich), den
Wortlaut könnt ihr hier nachlesen und junge Frauen würden nur danach streben, wie Musiksendermoderatorinnen auszusehen etc. Dabei fällt mir dieses seltsame Blog ein, in dem eine Studentin während einer Vorlesung die Bartschatten ihrer Kommilitonen benotete (vielleicht eine Form der
Emanzipation? Diese Spiele kenne ich nur von jungen Männern, die natürlich anderes als Bartschatten zum Thema hatten...) Ja, Feminismus klingt irgendwie hart und nach Kampf gegen Männer. Mit sehr
feministischen Positionen läßt sich schlecht arbeiten in dieser Welt. Ich weiß, dass diese Position von Feminstinnen"der alten Schule", die gelegentlich überhaupt gegen Genderstudies sind, kritisiert wird, aber ich lehne eher bestimmte autoritäre, dominante, aggressive Verhaltensweisen ab, die von Männern und Frauen verwendet werden können. Und ich denke, wir sollten frei sein, unabhängig von unserem biologischen Geschlecht, Autos zu reparieren oder Kinder zu hüten, rosa oder blau, Kleider oder Hosen zu tragen, ohne deswegen ständig schräg angeschaut zu werden. Die
Freiheiten der Frauen sind da derzeit vielleicht sogar größer. Aber wir verdienen im Schnitt nach wie vor deutlich schlechter und warum auch immer, nur wenige von uns schaffen es in Führungspositionen. Vielleicht
weil, um sie einzunehmen, nach wie vor dominantes, aggressives Verhalten gefragt ist? Und Empathie ein Fehler wäre? Aber das spricht eher gegen
die Gesellschaftsstrukturen. Die müßten verändert werden. Andere Werte wären wichtig. Davon sind wir weit entfernt.

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